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Das faszinierendste unter den vielen Museen in der Hofburg ist die Schatzkammer. Sie beherbergt eine prächtige Sammlung aus Kronjuwelen und Reliquien, die über beinahe ein Jahrtausend hinweg von der Habsburger Dynastie angehäuft wurden.
Imperial Crown, Scepter and Orb, Schatzkammer, Wien
Rudolfskrone, Reichszepter
und Reichsapfel
Ursprünglich wurden die Schätze der Habsburger Herrscher in der Sakristei der kaiserlichen Kapelle aufbewahrt. Die Schatzkammer bestand aus wertvollen Metallen und Juwelen sowie wichtigen Dokumenten und Reliquien, welche die Macht der Habsburger unterstreichen sollten.

Im Laufe des 16. Jahrhunderts wuchs die Sammlung der Schatzkammer unter der Herrschaft Kaiser Ferdinands I. und später Rudolfs II. stark an. Rudolf II. verlegte die Schätze später in das Kunsthaus, einen speziell dafür vorgesehenen Gebäudeflügel. Seit dem 18. Jahrhundert liegt die Schatzkammer in der Alten Burg und ist vom Schweizerhof aus zugänglich, dem ältesten Innenhof der Hofburg.

Der Mantel des österreichischen Kaisers, Schatzkammer, Wien
Der Mantel des
österreichischen
Kaisers
Heute wird die Sammlung in 21 Räumen ausgestellt. Die ersten 16 sind weltlichen Schätzen wie den Reichsinsignien gewidmet, während die übrigen fünf kirchliche Schätze wie Reliquien umfassen.

Das Habsburgerreich

Die weltlichen Schätze der Habsburger gehören zu den eindrucksvollsten im Museum. Ausgestellt werden einige der prächtigsten Kronjuwelen des Mittelalters, wie etwa die mit Rubinen, Perlen, Diamanten und großen Saphiren besetzte Rudolfskrone. Die herrliche goldene Krone wurde in Prag vom renommierten Antwerpener Goldschmied Jan Vermeyen erschaffen.

Das Thron-Wiegenbett des Königs von Rom, Schatzkammer, Wien
Die Wiege
Napoleons II.
Das Reichszepter und der Reichsapfel wurden etwa ein Jahrzehnt später erstellt. Ein weiteres Ausstellungsstück ist der goldbestickte Mantel mit Hermelinkragen, den Franz I. zu seiner Krönung als ungarischer König 1830 trug.

Auch eine verzierte Wiege ist ausgestellt, die von Pierre-Paul Prud'hon für den Sohn des Kaisers Napoleon I. und seiner zweiten Frau Marie-Louise (die Tochter Kaisers Franz I.) erstellt wurde. Nach dem Sturz Napoleons lebte sein Sohn im Exil in Wien, wo er im Alter von 21 im Schloss Schönbrunn an Tuberkulose starb.

Zu den Ausstellungsstücken gehört auch eine Sammlung an Juwelen der Habsburger, darunter der größte geschliffene Smaragd der Welt. Der Großteil der privaten Juwelensammlung wurde kurz vor dem Zusammenbruch des Reiches von Karl I. aus Österreich entwendet.

Heiliges Römisches Reich

Reichskrone, Schatzkammer, Wien
Reichskrone
Ein weiterer Höhepunkt des Museums sind die Kronjuwelen des Heiligen Römischen Reiches, insbesondere die achteckige Reichskrone, die 962 zur Krönung Ottos I. erstellt wurde und mit Edelsteinen besetzt ist. Der Reichsapfel wurde im später 12. Jahrhundert erschaffen, das Zepter im 14. Jahrhundert. Weitere Schätze des Heiligen Römischen Reiches umfassen den Säbel Karls des Großen aus dem 10. Jahrhundert, ein kaiserliches Schwert aus dem 11. Jahrhundert und das zeremonielle Schwert Friedrichs II. aus dem frühen 13. Jahrhundert.

Burgundische Schätze

Die wichtigsten burgundischen Schätze sind die Insignien des Ordens vom Goldenen Vlies, eines 1430 in Brügge gegründeten Ritterordens. Sie gelangten in den Besitz der Habsburger, als Maximilian I. Großmeister des Ordens wurde. Ausgestellt sind Umhänge und Halsketten des Ordens vom Goldenen Vlies.

Kirchliche Schätze

Heilige Lanze ein Überbleibsel des Heiligen Kreuzes, Schatzkammer, Vienna
Heilige Lanze (links)
und Heilige Kreuz
Die Geistliche Schatzkammer beherbergt heilige Schätze wie Messgewänder und weitere Gegenstände, die im Gottesdienst zum Einsatz kamen.
Auch eine große Reliquienausstellung findet sich hier. Einige der Habsburger Monarchen waren äußerst fromm und sammelten zahlreiche Reliquien, insbesondere Kaiser Karl IV., der Hunderte davon angehäuft haben soll. Einige der Reliquien sind in der Geistlichen Schatzkammer ausgestellt, wieder andere in den Galerien des Heiligen Römischen Reiches. Hier finden sich Stücke wie die Heilige Lanze, ein Überbleibsel des Heiligen Kreuzes, ein Zahn von Johannes dem Täufer und ein angebliches Bruchstück der Krippe Jesu.

Ein Einhorn!

Noch seltsamer als all die Reliquien muten einige der Privatschätze der Habsburger an, die sich letztlich doch als etwas gewöhnlicher erweisen sollten: Einer dieser Gegenstände wurde für das Horn eines Einhorns gehalten… bis er sich als Stoßzahn eines Narwals herausstellte. Auch findet sich hier die Achatschale, die 1204 aus Konstantinopel mitgebracht wurde und lange für den Heiligen Gral gehalten wurde.
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