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Die ausgedehnte Hofburg war das Bollwerk der Habsburger Monarchie, die mehr als sechs Jahrhunderte hinweg über Österreich (und zeitweise über viele weitere Regionen Europas) herrschte, von 1276 bis zum Sturz der Habsburger im Jahr 1918.
Hofburg, der kaiserliche Palast der Habsburger in Wien
Die Hofburg
Heute ist die Hofburg ein Touristenmagnet. Besucher strömen herbei, um einen Blick auf die königlichen Gemächer zu werfen, die Kapelle, Kirche, die Bibliothek, die Winterreitschule und natürlich die zahlreichen Museen in der Anlage. Das Bauwerk besteht aus 18 Flügeln mit über 2000 Zimmern in einer breiten Vielfalt an Architekturstilen, von Gotik über Barock bis hin zu Neoklassik. Dennoch harmoniert das größtenteils barocke äußere überraschend gut.

Aufgrund ihrer schieren Größe ist es unmöglich, alle Sehenswürdigkeiten der Hofburg in nur einem Tag zu besuchen. Zu den Höhepunkten zählen die Kaiserappartements, die Schatzkammer, der Prunksaal der Nationalbibliothek, die Winterreitschule, das Albertina-Museum und die Museen in der Neuen Burg.

Geschichte

Der Bau der Hofburg begann nicht unter den Habsburgern, sondern unter König Ottokar II. von Böhmen, der auch Herzog von Österreich war. 1275 ließ er am Standort des heutigen Schweizerhofs eine Burg errichten, ein rechteckiges Bauwerk mit vier Türmen.
Amalienburg, Hofburg, Wien
Amalienburg
Nachdem der erste Habsburger Rudolf I. im Jahre 1276 Ottokar II. des Amtes enthoben hatte, erweiterte er die Burg. Heute sind keine sichtbaren Spuren des ursprünglichen Bauwerks mehr übrig.

Alte Hofburg

Der Bau der Anlage, wie wir sie heute kennen, begann erst 1533, als Ferdinand I. beschloss, seinen Amtssitz nach Wien zu verlegen und die Stadt damit zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches erhob. Das Schweizertor, das zur Alten Hofburg führt, wurde im Jahr darauf errichtet. Ferdinands Sohn Maximilian II. erweiterte die Anlage durch die Stallburg.

Amalienburg

Maximilians Sohn Rudolf wiederum beschloss den Bau der Amalienburg als eigenes Schloss abseits des bestehenden Bauwerks. Ein Innenhof, der heute auch als „In der Burg“ bekannt ist, trennt die beiden Schlösser.

Leopoldinischer Trakt

Während des Dreißigjährigen Kriegs wurden die Bauarbeiten ausgesetzt, und erst 1660 wurde die Hofburg durch Kaiser Leopold I. um den Leopoldinischen Trakt erweitert. Der neue Trakt verband die Amalienburg mit der Alten Hofburg. Nach dem bahnbrechenden Sieg über die Türken im Jahr 1683 beschleunigte sich der Bauvorgang sichtlich.
Reichkanzleitrakt, Hofburg, Wien
Reichkanzleitrakt
Der offizielle Hofarchitekt Joseph Emanuel Fischer von Erlach entwarf die prächtige Hofbibliothek, die Winterreitschule und den Reichskanzleitrakt. Auch der Michaelertrakt ist sein Entwurf, ein barocker Gebäudeflügel, der erst Jahrhunderte später fertiggestellt wurde.

Neue Burg und Heldenplatz

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Bauwahn erneut angefacht, in einer Zeit, als die Habsburger Monarchie erste Verfallserscheinungen zeigte. In der Amtszeit Kaiser Franz Josephs (1848-1916) wurden die jüngsten Anbauten der Anlage errichtet, darunter der Michaelertrakt – der Flügel mit dem monumentalen Michaelertor – und die Neue Burg, ein riesenhafter Trakt mit gewölbter Fassade am Heldenplatz.

Michaelertor, Hofburg
Michaelertor
Die Neue Burg war nur ein Teil eines ehrgeizigen Projektes zur Errichtung eines neuen Kaiserforums, das die Hofburg über eine Reihe aus Triumphbögen mit der Museumsanlage auf der anderen Seite der Ringstraße verbunden hätte. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs aber brachte die Bauarbeiten prompt zum Erliegen. Ein gespiegelter Gebäudetrakt gegenüber der Neuen Burg und die Verbindungsbögen wurden nie realisiert.

Obgleich die Habsburger Herrscher Unsummen für den Bau der Hofburg ausgaben, residierten sie nur selten in der Schlossanlage, insbesondere nach dem Bau von Schloss Schönbrunn im 18. Jahrhundert. Die Hofburg wurde hauptsächlich für offizielle Anliegen und Treffen mit auswärtigen Würdenträgern genutzt.

Rundgang durch den Palast

Der übliche Zugang zur Hofburg führt über den Michaelerplatz. Das kunstvolle barocke Michaelertor verbindet den Platz mit dem großen Innenhof „In der Burg“.
In der Burg, Hofburg, Wien
In der Burg
Das gewaltige Tor ist mit ausdrucksstarken Heraklesstatuen verziert, und der breite Durchgang führt zu einigen der berühmtesten Attraktionen der Hofburg: Auf der linken Seite liegt der Zugang zur Winterreitschule, rechts die Kaiserappartements.

Innenhof

Vom Innenhof aus eröffnet sich zur Linken der Blick auf die Alte Burg, den ältesten Teil der Hofburganlage, zur Rechten auf die Amalienburg, ein Renaissanceschloss mit einer Turmuhr. Der Leopoldinische Trakt liegt direkt voraus, und gegenüber der Reichskanzleitrakt, kunstvoll mit riesigen Skulpturen von Lorenzo Mattielli verziert, welche die Heldentaten des Herakles darstellen. Der mittlere Eingang des Reichskanzleitrakts führt zu den Kaiserappartements und dem Sissi-Museum, einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Hofburg.

Schweizertor, Alte Hofburg, Wien
Schweizertor
Im Zentrum des Innenhofs, der ursprünglich ein Paradeplatz war, steht ein Denkmal zu Ehren Kaisers Franz I., auch bekannt als Franz II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Das riesige Denkmal wurde zwischen 1824 und 1846 vom italienischen Bildhauer Pompeo Marchesi geschaffen und zeigt den Kaiser in klassisch römischer Kleidung auf einem Sockel, umgeben von vier weiteren Statuen.

Schweizerhof

Der Kaiser blickt in Richtung des alten Schweizertors, welches wiederum in den Schweizerhof führt – den Innenhof im ältesten Teil des kaiserlichen Schlosses. Der Name des Hofs bezieht sich auf die Schweizer Garde, die im 18. Jahrhundert mit dem Schutz der Monarchen beauftragt war. An den Schweizerhof grenzt die kleine Burgkapelle in barockem Stil. Berühmt ist sie besonders für die Wiener Sängerknaben, die hier regelmäßig auftreten.
Josefsplatz, Hofburg
Josefsplatz
Eine Sehenswürdigkeit in dem kleinen Innenhof ist die Schatzkammer, ein Museum, dessen Sammlung sogar die größten Museumsmuffel beeindrucken dürfte.

Josefsplatz

Ein Torbogen führt vom Schweizerhof auf den Josefsplatz, der von einer Statue Josephs II. geziert wird – 1807 von Franz Anton Zauner erstellt. Hinter der Statue liegt der Prunksaal in seinem monumentalen barocken Glanz. Er stellt zweifellos den beeindruckendsten Saal der Nationalbibliothek dar, welche über die gesamte Hofburg verteilt liegt.

Von Josefsplatz aus führt die Augustinerstraße an der Augustinerkriche vorbei, die ursprünglich im 14. Jahrhundert als Klosterkirche erbaut worden war, später aber von der wachsenden Hofburganalage vereinnahmt wurde. 1634 wurde sie offiziell zur königlichen Pfarrkirche erklärt. Das gotische Innere der Kirche ist herrlich prachtvoll.

Neue Burg, Hofburg, Wien
Neue Burg
Weiter südlich entlang der Augustinerstraße liegt die Albertina, der südlichste Bereich der Hofburg. Das Schloss beherbergt ein beliebtes Museum, welches im 18. Jahrhundert von Prinz Albert von Sachsen, Herzog von Teschen gegründet wurde.

Neue Burg

Der jüngste Teil der Hofburg ist die Neue Burg, ein eindrucksvoller Trakt, der zwischen 1881 und 1913 nach Plänen Gottfried Sempers gebaut wurde. Der Eingang liegt am Heldenplatz, der wiederum entweder über die Ringstraße oder von der Hofburg aus über ein Tor durch den Leopoldinischen Trakt erreichbar ist. Die Neue Burg umfasst neben einer Reihe von Museen auch den Hauptlesesaal der Nationalbibliothek.

Museen und weitere Sehenswürdigkeiten

Kaiserappartements

Sehenswürdigkeiten sind in der Hofburg alles Andere als Mangelware, und die meisten Besucher in Wien verbringen einen großen Teil ihrer Zeit in den über 2000 Räumen der Anlage. Ein Favorit ist ein Rundgang entlang der Kaiserappartements.
Silbermuseum, Hofburg, Wien
Silbermuseum
Noch vor den Gemächern kann man auch der Silberkammer (ein Silbermuseum) und dem Sissi-Museum (einer Ausstellung über die beliebteste Habsburger Kaiserin) einen Besuch abstatten. Das Museum ist über zwei Eingänge erreichbar: Einer liegt am großen Innenhof, ein weiterer am Durchgang durch den Michaelertrakt.

Im Erdgeschoss der Silberkammer ist eine beeindruckende Sammlung an Silber-, Gold- und Porzellangegenständen ausgestellt. Das Paradestück des Museums ist ein vergoldeter, über 10 Meter langer Tafelaufsatz aus Bronze.

Das Sissi-Museum zeigt Erinnerungsstücke, Kleider, Porträts und andere Gegenstände zu Kaiserin Elisabeth, die vielleicht besser unter ihrem Kosenamen Sissi bekannt ist. Verheiratet war sie mit Kaiser Franz Joseph, von dem sie sich allerdings entfremdete und den Großteil ihres Lebens durch Europa reiste, bis sie in Genf 1898 von einem italienischen Anarchisten ermordet wurde.

Rudolfskrone, Reichszepter und Reichsapfel, Hofburg, Wien
Rudolfskrone, Reichszepter
und Reichsapfel
Der Ausgang aus dem Sissi-Museum führt in die Gemächer Franz Josephs, wo der Kaiser seine meiste Zeit verbrachte. Die eher bescheidene Dekoration dieser Gemächer deckt sich ganz mit dem sparsamen Ruf des Kaisers. Daneben liegen die Gemächer Kaiserin Elisabeths, inklusive des Schlafzimmers, Ankleidezimmers und Fitnessraums, komplett mit hölzernen Übungsgeräten. Die angrenzenden Zimmer sind nach Zar Alexander I. benannt, der während des Wiener Kongresses 1815 hier logiert hatte. Bemerkenswert ist der Speisesaal, der noch wie zu Zeiten Kaiser Franz-Josephs gedeckt ist.

Schatzkammer

Noch eindrucksvoller als der Luxus in den Kaiserappartements zeigt sich die Schatzkammer, ein Museum mit fantastischen Ausstellungen voller Kronen, Zeptern und anderen Symbolen der Macht (und des Reichtums) des Heiligen Römischen Reichs. Höhepunkte sind hier die von zahlreichen Edelsteinen besetzte Kaiserkrone Rudolphs II. und die Kronjuwelen des Heiligen Römischen Reichs, darunter die achteckige Reichskrone. Auch zahlreiche Kuriositäten finden sich in der Schatzkammer, wie etwa das lange Horn eines Einhorns und ein Bruchstück des Heiligen Kreuzes. Der Eingang zur Schatzkammer liegt am Schweizerhof im ältesten Teil der Hofburg.

Albertina, Hofburg, Wien
Albertina
Ein völlig anderes Museum hingegen lässt sich an der Südspitze der Hofburg besichtigen. Hier liegt die Albertina, ein Museum mit einer bedeutenden Sammlung an Aquarellen, Illustrationen, Ätzungen, Zeichnungen und Fotos. Das Schloss, in dem es ansässig ist, war einst Besitz des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen, der dem Museum auch seinen Namen verlieh.

Museen in der Neuen Hofburg

Weitere Museen finden sich in der Neuen Hofburg, einem großen Trakt mit einer gewölbten Fassade am Heldenplatz. Das Ephesos-Museum zeigt die Fundstücke einer archäologischen Ausgrabungsstätte in Ephesos in der Türkei. Die Sammlung alter Musikinstrumente umfasst interessante Beispiele historischer Instrumente, darunter eine mit Gold und Elfenbein verzierte Violine. Das Weltmuseum zeigt eine Sammlung historischer Fundstücke aus Nord- und Südamerika, Asien, Ozeanien, Afrika und sogar Sibirien.
Rüstung, Neue Burg, Hofburg, Vienna
Rüstung
Das größte Museum in der Neuen Burg aber ist die Hofjagd- und Rüstkammer. Hier liegt eine umfangreiche Sammlung an Rüstungen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert.

Spanische Reitschule

Die Spanische Reitschule ist eine beliebte und äußerst geschichtsträchtige Attraktion der Hofburg und liegt in der speziell dafür erbauten Winterreitschule. Das Gebäude ist kunstvoll dekoriert, komplett mit einer Reihe aus Kronleuchtern. Besucher können die Vorstellungen besichtigen, die aber nicht selten schon Monate im Voraus ausgebucht sind. Alternativ lässt sich den Übungsstunden beiwohnen oder das Lippizaner-Museum in der nahegelegenen Stallburg besichtigen. Benannt ist das Museum nach den Pferden, die in der Winterreitschule ihr Können unter Beweis stellen, und dementsprechend ist eine Vielzahl ein Stücken rund um den Reitsport ausgestellt. Die Stallungen der Lippizanerpferde sind für Besucher zugänglich.

Wiener Sängerknaben und Prunksaal

Zu den Sehenswürdigkeiten der Hofburg gehören auch die Vorstellungen der Wiener Sängerknaben in der Hofkapelle am Schweizerhof. Ein Wunderwerk der Architektur hingegen ist der Prunksaal der Nationalbibliothek – ein üppig dekorierter, 77 Meter langer Saal mit einer Sammlung historischer Bücher in Holzregalen entlang der Wände. Mit seinen riesenhaften Säulen, zarten Statuen und prächtigen Deckenfresken macht der majestätische Prunksaal seinem Namen alle Ehre.
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