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Die Villa Farnesina ist eine Villa aus der Renaissance nahe des Tiberufers. Das Haus ist für seinen prächtigen, mit Fresken verzierten Innenraum bekannt, der von meisterhaften Malern wie Raffael gestaltet wurde.

Geschichte

Die Villa Farnesina wurde für Agostino Chigi erbaut, einen sagenhaft reichen Bankier mit Verbindungen nach ganz oben. Päpste wandten sich an ihn, wenn sie sich große Geldsummen leihen mussten. Im Jahre 1505 beauftragte der aus Siena stammende Chigi seinen ebenfalls aus Siena stammenden Mitbürger Baldassare Peruzzi, ihm einen Wohnsitz in Trastevere zu bauen, direkt außerhalb der Stadtmauern.

Villa Farnesina, Rom
Villa Farnesina
In der fünf Jahre später fertiggestellten Villa fanden schwelgerische Feiern Stadt, an denen sogar der Papst teilnahm. Nach Chigis Tod im Jahre 1520 stand das Haus – damals als Villa Chigi bekannt – jahrelang leer. Als das Gebäude schließlich 1580 von Kardinal Allessandro Farnese erworben wurde, war es bereits verfallen. Farnese, dessen Hauptwohnsitz direkt auf der anderen Seite des Flusses am Piazza Farnese lag, ließ die Villa restaurieren. In dieser Zeit kam das Gebäude auch zu seinem heutigen Namen.

Im 18. Jahrhundert wurde die Villa an die Bourbonen aus Neapel weitergegeben, und von 1861 an war sie Eigentum des spanischen Botschafters. 1927 wurde sie Staatseigentum.

Die Villa

Chigi wünschte sich eine Villa, die denen aus der Antike ähneln sollte, und der Architekt Peruzzi beschloss, den Innenraum und das Äußere ineinanderfließen zu lassen. Ergebnis war ein U-förmiges Gebäude mit zwei Stockwerken und zwei Loggias, die einen Durchgang in den Garten und zum Fluss eröffneten.

Äußeres

Das Äußere war verziert mit Pflanzengemälden und Atlanten – Figuren, die den Eindruck erweckten, das Gebäude zu tragen.
Brunnen im Garten der Villa Farnesina in Rom
Brunnen im Garten
Leider blieben weder die Verzierungen noch die Loggia am Ufer erhalten. Die andere, einst offene Loggia ist heute der Haupteingang. Der ursprüngliche Eingang liegt an den Rückseite. Die einzigen noch sichtbaren Außendekorationen sind die Pilaster im oberen Stockwerk und die Terracotta-Verzierungen direkt unter dem Gesims. Auch der Garten mit seinem Parterre und einem zentralen Brunnen ist nur noch ein trauriges Überbleibsel seiner einstigen Pracht.

Innenraum

Die Hauptattraktion der Villa Farnesina ist allerdings ihr Inneres. Chigi gehörte zu den wenigen Leuten, die mit den Päpsten um die Dienste der größten Renaissancekünstler konkurrieren konnte, und der Innenraum der Villa ist eine prächtige Zurschaustellung lebhafter Fresken.

Treffen der Götter, Villa Farnesina
Treffen der Götter
Chigi bewunderte die alten Römer und versuchte, ihren Lebensstil nachzuahmen. Er interessierte sich sehr für heidnische Mythologie – sehr ungewöhnlich für jemanden mit Verbindungen in derart hochrangige Kirchenkreise –, und dementsprechend stellen einige Fresken auch mythologische Ereignisse dar.

Die berühmtesten dieser Fresken finden sich in der Galleria di Psyche, der Loggia, die zu den geometrischen Gärten hinausführt. Die Fresken zeigen die Geschichte von Psyche und Amor (der auch als Cupido bekannt ist) nach Apuleius' Erzählung. Das Gemälde wurde 1517 durch Assistenten von Raffael fertiggestellt, der Entwurf aber stammt vom Meister selbst. Dieser war mit seiner Arbeit am Vatikanpalast zu beschäftigt, konnte also selbst nur einen kleinen Teil des Gemäldes umsetzen.

Zwei große Fresken finden sich hier: Eines stellt das „Treffen der Götter“ dar, das andere die „Hochzeit von Psyche und Amor“. Die Fresken sind in Abschnitte unterteilt, die von Blumen- und Obstkränzen abgegrenzt werden. Einer der Abschnitte des Hochzeitsfreskos zeigt Amor mit den drei Grazien. Imperia, die Geliebte von Agostino Chigi, soll für die Grazie, die dem Betrachter den Rücken zukehrt, Modell gestanden haben.

Amor mit den drei Grazien, Villa Farnesina
Amor mit den drei Grazien
Raffael, der mit Chigi befreundet war und dessen private Kapelle in Santa Maria del Popolo entworfen hatte, war auch für das Hauptfresko im Sala di Galatea verantwortlich, das den „Triumph der Galatea“ darstellt. Die Figur der Galatea, eine der 50 Töchter des Nereus, wurde von Raffael selbst gemalt. Die Meeresnymphe ist von mythologischen Figuren umgeben und reitet auf einem Muschel-Streitwagen, der von zwei Delfinen gezogen wird.

Weitere Fresken im Zimmer wurden vom Architekten der Villa, Peruzzi, selbst geschaffen und zeigen mythische Szenen, darunter Perseus und Medusa. Auch das Deckenfresko stammt von Peruzzi und stellt mit mythologischen und astrologischen Bildern den Sternenhimmel an Chigis Geburtstag dar.

Das interessanteste Zimmer im Obergeschoss ist der Sala delle Prospettive (Saal der Perspektiven). Er umfasst eine Illusionsmalerei von Peruzzi, die den Eindruck erweckt, durch eine marmorne Säulenreihe auf das Rom des 16. Jahrhunderts hinauszublicken. Die Wände sind mit Szenen aus dem Leben Alexanders des Großen bemalt. Der Höhepunkt hier ist die „Hochzeit von Roxana und Alexander“, ein Meisterwerk von Giovanni Antonio Bazzi, der wohl besser unter seinem Spitznamen Il Sodoma bekannt ist. Das Fresko wurde 1518 fertiggestellt.
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