Sixtinische Kapelle

Cappella Sistina
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Die Sixtinische Kapelle ist eine Kapelle im Apostolischen Palast, dem offiziellen Amtssitz des Papstes. Das Deckengemälde der Kapelle wurde im frühen 16. Jahrhundert von Michelangelo geschaffen und zählt zu den großartigsten Meisterwerken westlicher Kunst.
Noch heute wird die Kapelle genutzt, ist aber als Teil der Vatikanischen Museen der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Kapelle

Die Sixtinische Kapelle im Vatikan
Die Sixtinische Kapelle
Die Sixtinische Kapelle wurde zwischen 1473 und 1481 von Giovannino de' Dolci als Privatkapelle für Papst Sixtus IV. erbaut. Eine Marmorwand, von drei Künstlern erschaffen, teilt den Raum in zwei ungleiche Teile. Der Opus-sectile-Boden im Stile der Cosmati besteht aus wunderschönen geometrischen Mustern.

Die Wände des Raums sind mit Fresken aus dem 15. Jahrhunderts verziert, erstellt von einigen der besten Künstler aus Umbrien und der Toskana. Doch so fabelhaft sie auch aussehen mögen, in den Schatten gestellt werden sie von der Arbeit Michelangelo Buonarottis, der zwischen 1508 und 1512 das berühmte Deckengemälde erschuf und zwischen 1534 und 1541 ein Wandgemälde des Jüngsten Gerichts.

Das Deckengemälde

Hintergrund

Das Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle im Vatikan
Das Deckengemälde

Die Erschaffung Adams, Sixtinische Kapelle, Vatikan
Die Erschaffung Adams
Ursprünglich erinnerte die Decke der Sixtinischen Kapelle an einen blauen Sternenhimmel. Im Jahre 1508 beauftragte Papst Julius II. Michelangelo mit einem neuen Deckengemälde. Michelangelo zögerte zunächst, da er sich vielmehr als Bildhauer und Architekt verstand, weniger als Maler. Er ging sogar soweit, den Vertrag mit „Michelangelo, Bildhauer“ zu unterschreiben.

Gerüchten zufolge überzeugte sein Rivale Bramante den Papst davon, Michelangelo mit dem Gemälde zu beauftragen. Bramante hoffte, Michelangelos Ansehen würde Schaden nehmen, sollte er schlechte Arbeit abliefern – schließlich hatte er im Grunde keinerlei Erfahrung mit dieser Art von Auftrag. Julius II. ließ Bramante ein Gerüst für Michelangelo errichten, welches dieser allerdings für unbrauchbar erachtete und stattdessen durch ein eigenes Gerüst ersetzte. Kurz nach Beginn der Arbeit an den Deckenfresken entließ Michelangelo seine Assistenten und setzte die Bemalung der Decke alleine fort, stets auf dem Rücken liegend.

Julius II. erwartete von Michelangelo eine Deckenverzierung aus Gemälden der 12 Aposteln. Michelangelo allerdings beschloss, stattdessen die „Schöpfung“ des Alten Testaments zu malen – eine sinnvolle Entscheidung, denn die Wände der Kapelle waren bereits mit anderen biblischen Ereignissen geschmückt.

Die Fresken

Die Vertreibung aus dem Garten Eden, Sixtinische Kapelle, Vatikan
Vertreibung aus dem Garten Eden

Jonas, Sixtinische Kapelle, Vatikan
Jonas
Michelangelo bemalte die Decke in der damals üblichen Freskotechnik, was zufolge hatte, dass jeden Tag eine frische Schicht Putz aufgetragen werden musste und Michelangelo den Bereich bemalen musste, bevor der Putz getrocknet war.

Die Decke ist in neun Hauptbereiche unterteilt, die allesamt Szenen aus der Bibel darstellen, beginnend mit der „Erschaffung des Lichts“ bis hin zur „Trunkenheit Noahs“ am Altar. Michelangelo begann die Malerei allerdings am anderen Ende. Die stilistischen Unterschiede, die im Laufe der Perfektionierung seine Stils auftraten, lassen sich noch erkennen. Der berühmteste Teil des Freskos ist wohl die „Erschaffung Adams“. Hier stellt Michelangelo den Allmächtigen dar, der zur Erde hinabsteigt, um Adam Leben einzuhauchen.

Michelangelo malte klassische Architekturelemente wie Statuen und Pilaster, um die verschiedenen Bereiche voneinander zu trennen. Um die biblischen Szenen herum malte er Propheten und Sibyllen, Prophetinnen der Antike. Die Lünetten zeigen Porträts der Vorfahren Jesu, und die vier dreieckigen Pendentifs in den Ecken stellen Szenen aus dem alten Testament dar.

Die Wandgemälde

Das Jüngste Gericht, Sixtinische Kapelle
Das Jüngste Gericht
Über 20 Jahre nach Vollendung seines Meisterwerks malte Michelangelo auch das Jüngste Gericht an der Wand hinter dem Altar. Während allerdings seine frühere Arbeit breite Anerkennung genoss, zog das Gemälde des Jüngsten Gerichts die Kritik von Puritanern auf sich, die sich über ein angebliches Übermaß an Nacktheit beschwerten. Michelangelo reagierte auf die Kritik, indem er Minos, dem eselohrigen Totenrichter, das Gesicht seines schärfsten Kritikers Biagio da Cesena verlieh. Nach Michelangelos Tod wurde das Gemälde vom Papst zensiert und alle intimen Bereiche von Daniele da Volterra übermalt, der dafür den Spitznamen „Braghettone“ erhielt – der „Hosenmacher“.

Die übrigen Wände sind mit Fresken aus den Jahren 1481 bis 1483 verziert. Erstellt wurden sie unter Anleitung von Pinturicchio von einer Gruppe renommierter Maler wie Botticelli, Perugino, Ghirlandaio, Signorelli und Rosselli. Die Gemälde zeigen Szenen aus dem Leben Jesu und Moses, und sie gelten als Meisterwerke der italienischen Renaissance. Die meisten Besucher aber bemerken sie kaum und schenken ihre gesamte Aufmerksamkeit stattdessen den Werken Michelangelos.
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