Santa Maria Sopra Minerva

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Die Santa Maria sopra Minverva ist die einzige authentische gotische Kirche in der Ewigen Stadt. Hinter der eher schlichten Fassade versteckt sich eine Fülle an Denkmälern und Gräbern – eine Folge der Stellung der Kirche als Bollwerk des Dominikanerordens in Rom.
Santa Maria sopra Minerva, Rom
Santa Maria
sopra Minerva

Hauptschiff der Santa Maria sopra Minerva, Rom
Hauptschiff
Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert auf den Ruinen eines römischen Tempels errichtet, der von Pompeius gebaut worden und der Göttin Minerva gewidmet war. Daraus leitet sich der Name der Kirche „sopra Minerva“ ab, was „über der Minerva“ bedeutet.

Im Verlaufe ihrer Geschichte wurde die Basilika viele Male renoviert und umgebaut. Die Fassade im Renaissancestil stammt aus dem Jahre 1453, während die Kapellen im 16. und 17. Jahrhundert hinzugefügt wurden. Der Innenraum wurde im 19. Jahrhundert in neogotischem Stil ausgiebig restauriert.

Die Dominikaner

Der Entwurf der Kirche wird Fra Sisto Fiorentino und Fra Ristoro da Campi zugeschrieben. Die beiden Dominikanermönche entwarfen auch die Kirche Santa Maria Novella in Florenz, die ähnliche architektonische Merkmale aufweist. Die Dominikaner waren ein mächtiger Orden, der zusammen mit den Jesuiten an vorderster Front der Gegenreformation stand. Zudem war der Orden an der berüchtigten Inquisition beteiligt, was den Dominikanern den Spitznamen Domini Canes (Hunde Gottes) bescherte. 1633 luden sie Galileo Galilei ins Kloster vor (welches an die Santa Maria sopra Minverva angrenzte) und zwangen ihn zum Widerruf seiner These, dass die Erde um die Sonne kreist. Erst 359 Jahre später konnte die katholische Kirche ihren Fehler eingestehen.

Innenraum

Grab der hl. Katharina, Santa Maria sopra Minerva, Rom
Grab der hl. Katharina
Die Kirche hat einen kreuzförmigen Grundriss mit drei Schiffen und einem Querschiff. Dank der Restaurierung im 19. Jahrhundert ist der Innenraum überraschend farbenfroh. Damals wurden marmorne Ornamente hinzugefügt, und die Wände und Kreuzgewölbe wurden übermalt.

In der Kirche finden sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten, darunter viele bemerkenswerte Grabmale. Katharina von Siena, die Schutzheilige Italiens, liegt direkt unter dem Hauptaltar begraben – oder zumindest ihr Körper: Ihr Kopf befindet sich in der Basilika San Domenico in Siena. Katharina war eine dominikanische Nonne, die 1377 den Exilpapst in Avignon zur Rückkehr nach Rom überredete.

Grabstein des Fra Angelico, Santa Maria sopra Minerva, Rom
Grabstein des
Fra Angelico

Carafa-Kapelle, Santa Maria sopra Minerva, Rom
Carafa-Kapelle
In der Nähe des Chors liegt der Grabstein von Fra Angelico, einem berühmten toskanischen Maler und Dominikanerbruder. Am bekanntesten ist er für seine Arbeit in Florenz, wo sich viele seiner Meisterwerke im Kloster San Marco bewundern lassen. Seine späten Jahre verbrachte er aber im Kloster der Santa Maria sopra Minerva, wo er 1455 starb.

Auch vier Päpste sind hier bestattet. Hinter dem Altar liegen die Grabmäler des Medici-Papstes Leo X. und seines Cousins Clement VII. Der ungekrönte Papst Urban VII. ist hier ebenfalls begraben. Er verstarb 13 Tage nach seiner Wahl zum Papst noch vor seiner offiziellen Krönung. Das Grab des übereifrigen Papstes Paul IV. befindet sich ebenso in der Santa Maria sopra Minerva. Die Rolle dieses Papstes als treibende Kraft der Inquisition in Rom machte ihn so unbeliebt, dass die Römer im Jahr 1559 sein Standbild auf dem Kapitolsplatz enthaupteten. Er wurde zunächst im Petersdom bestattet, doch später wurden seine Gebeine in die Carafa-Kapelle überführt, die berühmteste Kapelle in der Basilika.

Die Kapelle wurde für Kardinal Oliviero Carafa errichtet. Am berühmtesten ist sie wohl für ihre zwischen 1488 und 1492 von Filippino Lippi erschaffenen Fresken. Das mittlere Fresko zeigt den knienden Kardinal, wie ihn der einflussreiche Dominikaner Thomas von Aquin der Jungfrau Maria anheimstellt. Im Hintergrund kann man die Statue des Mark Aurel auf dem Kapitol erkennen. Die kleinen Jungen auf dem Architrav stellen vermutlich die beiden zukünftigen Medici-Päpste Leo X. und Klemens VII. dar.

Ein weiterer Höhepunkt in der Kirche ist der Christo della Minerva, auch bekannt als Christus der Erlöser. Angefangen wurde die Skulptur 1519 vom großen Michelangelo und 1521 von seinem Schüler Raffaelo da Montelupo fertiggestellt. Die Statue war völlig unbekleidet und bildet Jesus im Stile eines antiken Helden ab. Der bronzene Lendenschurz wurde später hinzugefügt, um nicht die Prüden und Frommen zu verschrecken.
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