Sankt Paul vor den Mauern

San Paolo fuori le Mura
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San Paolo fuori le Mura – Sankt Paul vor den Mauern – ist eine der vier Papstbasiliken in Rom. Die heutige Kirche, einst die größte der Welt, ist eine Rekonstruktion der Kirche aus dem vierten Jahrhundert, welche im Jahre 1823 niederbrannte.
Sankt Paul vor den Mauern, Rom
Sankt Paul vor den Mauern
Die Kirche befindet sich an der vermuteten Begräbnisstätte von Sankt Paul(us), welche außerhalb der Aurelianischen Mauer liegt und daher leitet sich auch ihr Name ab.

Geschichte

Sankt Pauls Begräbnisstätte

Der Apostel Paulus wurde im Jahre 67 enthauptet und sein Körper wurde zu einem Grabareal (und nicht zu einer unterirdischen Nekropole, wie es der Fall mit St. Peter war) gebracht. Die Begräbnisstätte wurde bereits im ersten Jahrhundert verehrt, als hier eine Cella Memoriae – eine kleine Gedächtnisstätte – errichtet wurde.

Errichtung

Vordere Fassade der Sankt Paul vor den Mauern
Vordere Fassade

Innendekoration der Sankt Paul vor den Mauern in Rom
Innendekoration

Apsismosaik, Sankt Paul vor den Mauern
Apsismosaik

Seitenansicht der Sankt Paul vor den Mauern in Rom
Seitenansicht

Portikus der Sankt Paul vor den Mauern in Rom
Portikus
Eine erste Basilika, welche vom römischen Kaiser Konstantin I. in Auftrag gegeben wurde, wurde im Jahre 324 auf der Cella Memoriae errichtet. Im Jahre 386 wurde diese Basilika bereits als zu klein erachtet und Kaiser Valentinian II. befahl den Abriss des Gebäudes. Es sollte durch ein neues, viel größeres Bauwerk ersetzt werden. Valentinians Nachfolger, Kaiser Theodosius, ernannte Ciriades zum verantwortlichen Architekt.

Ciriades entwarf ein monumentales Bauwerk mit fünf Schiffen, die auf achtzig Säulen ruhen. Wie bei den meisten Basiliken zu dieser Zeit üblich, befand sich ein großes Atrium mit einem Brunnen in der Mitte davor. Die Kirche wurde im Jahre 390 von Papst Siricius geweiht, jedoch wurde sie erst fünf Jahre später während der Regierungszeit von Kaiser Honorius fertiggestellt.

Weitere Ausbauten folgten in den nächsten Jahrhunderten und ab dem neunten Jahrhundert war dies die größte Kirche in Rom. Sie hielt diesen Titel, bis der heutige Petersdom im Jahre 1626 fertiggestellt wurde. Nach einer Brandschatzung im Jahre 846 durch die Sarazenen, wurde die Kirche schnell restauriert und Ausbauten und Restaurationen gingen weiter bis ins 18. Jahrhundert.

Zerstörung und Wiederaufbau

Eine Katastrophe geschah am 15. Juli 1823, als nachlässige Dachdecker brennenden Teer auf den Holzbalken verschütteten, welche das Bleidach stützten. Die Kirche war bald darauf vom Feuer verschlungen und brannte nieder. Lediglich die Apsis, der Kreuzgang, der Triumphbogen, das Grab des Apostels und die Südwand überstanden das Feuer. Eine originalgetreue Rekonstruktion begann bald nach der Katastrophe, welche durch Spenden aus der ganzen Welt finanziert wurde. Die Kirche wurde im Jahre 1854 neu geweiht.

Die Kirche Heute

Die Kirche, die wir heute sehen, mag vielleicht nicht die ursprüngliche Basilika aus dem vierten Jahrhundert sein, aber es ist immer noch ein imposantes Gebäude, 131 Meter lang, 65 Meter breit und 29 Meter hoch. Der riesige Innenraum ist besonders beeindruckend und vermittelt uns einen guten Eindruck davon, wie antike römische Basiliken ausgesehen haben müssen.

Äußeres

Statue von St. Paul, Sankt Paul vor den Mauern
St. Paulus

Glockenturm Sankt Paul vor den Mauern
Glockenturm
Das beeindruckende Atrium auf der Westseite der Basilika wurde im späten neunzehnten Jahrhundert hinzugefügt. Es wurde von Guglielmo Calderini nach einem Entwurf des neoklassistischen Architekten Luigi Poletti gebaut. Das Atrium besteht aus einem vierseitigen Portikus mit siebzig korinthischen Säulen. In seiner Mitte befindet sich eine große Statue des Apostels Paulus aus Carrara-Marmor, welche von dem italienischen Skulpteur Giuseppe Obici erschaffen wurde.

Die Mosaiken an der vorderen Fassade sind auch aus dem neunzehnten Jahrhundert. Sie wurden von Filippo Agricola und Nicola Consoni erschaffen, die ihr Design auf dem ursprünglichen Wandgemälde aus dem zehnten Jahrhundert basierten. Es zeigt vier Apostel aus dem Alten Testament an der Unterseite. Über ihnen befindet sich Christus, der von den Heiligen Petrus und Paulus flankiert wird.

Die zentrale Bronzetür wurde im Jahr 1930 von Antonio Maraini erschaffen. Auf der rechten Seite befindet sich die Heilige Pforte, welche nur während Jubeljahren geöffnet wird (einmal alle 25 Jahre).

Der Glockenturm der Basilika wurde ursprünglich im elften Jahrhundert in der Nähe der vorderen Fassade erbaut. Der heutige Turm wurde im Jahre 1860, in Richtung Osten der Basilika, in der Nähe der Apsis errichtet. Er hat sieben Glocken, von denen fünf noch original sind.

Inneres

Das Kirchenschiff der Sankt Paul vor den Mauern
Das Kirchenschiff

Tondo von Benedict XVI, Sankt Paul vor den Mauern
Tondo von Benedict XVI
Die enorme Größe der Kirche wird deutlich, sobald man sich im Inneren befindet. Ihr ursprünglicher Grundriss basierte wahrscheinlich auf dem, der Basilika Ulpia, auf dem Trajansforum. Vier Reihen von zwanzig Granitsäulen trennen das Mittelschiff von seinen Gängen.

Die Säulen sind neu – die Originale wurden alle aus alten römischen Tempel entnommen. Sie stützen Arkaden-Gebälke mit über einer darüberliegenden Reihe von sogenannten Tondi, Rundbilder von Päpsten. Leider sind die meisten dieser Bilder durch das Feuer im Jahr 1823 beschädigt worden. Sie wurden alle restauriert, aber einige der Inschriften sind für immer verloren. Alle 266 Päpste, beginnend mit dem Heiligen Peter, sind abgebildet. Inzwischen gibt es nur noch sehr wenige freie Tondi und der Legende nach wird die Welt enden, wenn der letzte Tondo gefüllt ist.

Osterleuchter, Sankt Paul vor den Mauern
Osterleuchter
Einer der interessantesten Gegenstände, der dem verheerenden Brand entkommen konnte, ist der 5 ½ Meter hohe Osterleuchter, welcher um 1170 von Nicolo di Angelo und Pietro Vassalletto erschaffen wurde. Er ist mit Schnitzereien verziert, die Szenen aus der Bibel darstellen. Er sieht wirklich überfüllt aus, mit zahlreichen Abbildungen, welche in einen kleinen Bereich gestopft sind. Am Fuß des Leuchters befinden sich mythische Figuren, halb Mensch, halb Tier.

Der Triumphbogen über dem Kirchenschiff ruht auf ionischen Säulen und ist mit einem Mosaik aus dem fünften Jahrhundert verschönert, welches nach dem Brand restauriert wurde. In der Mitte des Bogens, in einem Kreis, befindet sich ein streng blickender Christi. Vögel (welche die vier Evangelisten repräsentieren), Engel, vierundzwanzig Älteste und unterhalb die Heiligen Peter und Paul, flankieren die Abbildung Christi.

Die Apsis der San Paolo fuori le Mura Kirche
Apsis
Das venezianische Mosaik in der Apsis ist ein weiteres Highlight. Es wurde im Jahre 1226 für Honorius III erschaffen und ersetzte das ursprüngliche Mosaik aus dem fünften Jahrhundert. Hier können Sie Christus auf einem Thron in Begleitung von Peter, Paulus, Andreas und Lukas sehen.

Der gotische Baldachin aus Marmor am Hochaltar wurde von Arnolfo di Cambio im Jahre 1285 erschaffen. Unter dem Altar befindet sich die Confessio mit dem Grab des Apostels Paulus.

Kreuzgang

Kreuzgang der Sankt Paul vor den Mauern in Rom
Kreuzgang
Am Ende des rechten Querschiffs führt eine Tür zum Chiostro (Kreuzgang), welcher noch authentisch ist, da er durch das Feuer im Jahr 1823 unberührt blieb. Der Kreuzgang wurde ursprünglich zwischen 1205 und 1241 von Pietro Vassalletto erbaut, der auch für den Kreuzgang der Lateranbasilika verantwortlich war. Dieser Kreuzgang ist einer der schönsten in Rom, mit wunderschön geformten Säulen, in einer Vielzahl von Formen – einige sind völlig glatt, während andere spiralförmig oder achteckig und mit bunten Mosaiken überzogen sind.
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