Protestantischer Friedhof

Cimitero Acattolico per gli Stranieri al Testaccio
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Im Schatten der monumentalen Pyramide des Caius Cestius liegt der romantische Protestantische Friedhof, ein Privatfriedhof, auf dem sich die Gräber zahlreicher berühmter und weniger berühmter Nicht-Katholiken finden.
Protestantischer Friedhof, Rom
Cimitero Acattolico (Protestantischer Friedhof), Rom
Der Protestantischer Friedhof in Rom
Protestantischer Friedhof
Der Friedhof liegt direkt innerhalb der Aurelianischen Mauer auf einem wunderschönen, abschüssigen Gelände voller Zypressen und Pinien.

Der offizielle Name des Friedhofs lautet „Nicht-katholischer Friedhof für Ausländer in Testaccio“. Landläufig ist er aber als Protestantischer Friedhof bekannt, da viele der hier Bestatteten entweder Deutsche oder Engländer sind. Allerdings finden sich auch Gräber anderer Nationalitäten, darunter Russen, Griechen, Dänen und Schweden. Auch liegen nicht nur Ausländer hier begraben: Auch italienische Atheisten, darunter der Mitbegründer der Kommunistischen Partei Italiens Antonio Gramsci, wurden hier beigesetzt.

Zu den bemerkenswertesten Gräbern gehören die des englischen Dichters John Keats, seines Kollegen und Landsmannes Percy Bysshe Shelley, der Söhne Wilhelm von Humboldts und des Sohnes von Johann Wolfgang von Goethe.

Geschichte

Nicht-Katholiken dürfen nicht in katholischen Kirchen oder Friedhöfen bestattet werden, und die Leichen von Fremden, die in Rom verstarben, wurden oft in den Tiber geworfen. 1716 gestattete Papst Clemens Mitgliedern des im Exil lebenden Hauses Stuart, in der Nähe der Cestius-Pyramide begraben zu werden.

Die älteste dokumentierte Bestattung auf dem Gelände allerdings fand 1732 statt. Von 1738 an wurde es gängigere Praxis, Nicht-Katholiken hier zu begraben. 1821 beschloss Papst Pius VII., dass so nahe an der Pyramide keine Begräbnisse mehr stattfinden sollten, und ein angrenzendes Grundstück wurde zur Beerdigung von Ausländern ausgewiesen. Etwa zu dieser Zeit wurde das Grundstück offizieller Friedhof für Nicht-Katholiken in Rom. Der Friedhof wurde noch weiter vergrößert, zum letzten Mal im Jahr 1898, als er seine aktuelle Form erhielt.

Bemerkenswerte Gräber

Parte Antica, Protestantischer Friedhof, Rome
Parte Antica
Rom stellte für viele Maler, Bildhauer, Schriftsteller und weitere Künstler eine Inspiration dar. Dementsprechend finden sich zahlreiche Gräber von Künstlern aus Europa und den Vereinigten Staaten. Zudem lockte Rom viele Historiker an, von denen mehrere hier begraben wurden – ebenso wie Diplomaten, die oft für Jahrzehnte in Rom gelebt hatten.

Der Friedhof ist in zwei Abschnitte getrennt. Auf dem ältesten nahe der Pyramide des Caius Cestius sind die Gräber nur rar gesät. Der Rest des Friedhofs ist in vier Bereiche aufgeteilt und auf einem Gelände angelegt, das bergauf in Richtung der Aurelianischen Mauer führt. Dieser Abschnitt ist wesentlich dichter mit zahllosen Gräbern und Grabmälern überfüllt, die geradezu um die Aufmerksamkeit des Betrachters wetteifern.

Im alten Abschnitt namens Parte Antica befindet sich das Grab von John Keats, das wahrscheinlich meistbesuchte Grab auf dem Friedhof. Keats gilt als einer der wichtigsten Dichter seiner Generation. 1820 zog er auf Rat von Joseph Severn aus gesundheitlichen Gründen nach Rom. Keats verstarb im darauffolgenden Jahr im jungen Alter von 25 an Tuberkulose. Auf seinem Grab sind die Worte eingraviert, die er an seinem Totenbett verfasst hatte: „Hier liegt jemand begraben, der seinen Namen ins Wasser schrieb.“ 1882 wurde seine enger Freund, der Maler Joseph Severn, neben Keats beerdigt.

Grab von Emily Story, Ehefrau von William Wetmore Story
'Engel der Trauer'
Auch die Gräber der Söhne Wilhelm von Humboldts, des Preußischen Staatsmanns und Gründers der Humboldt-Universität, liegen im Parte Antica. Seine Söhne starben 1803 und 1807 im Alter von neun und zwei Jahren, während er als Konsul in Rom wohnhaft war.

Das Grab von Goethes Sohn August von Goethe befindet sich ebenfalls hier. Verziert ist es mit einem Reliefporträt von Bertel Thorvaldsen. Goethe selbst, der seinen Sohn um zwei Jahre überlebte, wollte auch hier beigesetzt werden. Stattdessen liegt er heute in Weimar begraben.

Ein weiteres berühmtes Grab ist das des englischen Dichters Percy Bysshe Shelley, der 1822 vor der italienischen Küste ertrank. Er betrachtete den Protestantischen Friedhof als den schönsten Friedhof, den er je gesehen hatte, und wollte hier beigesetzt werden. Sein Herz wurde zurück nach England überführt – wahre Ironie, denn sein Grab trägt die Inschrift „Cor cordium“ (das Herz der Herzen).

Ebenso wurde hier der deutsche Architekt Gottfried Semper bestattet. Semper, der mit seinem Entwurf des Dresdner Opernhauses Berühmtheit erlangte, musste nach Teilnahme an einem gescheiterten Aufstand aus seiner Heimatstadt fliehen. Nach gesundheitlichen Problemen reiste er nach Italien, wo er 1879 starb.

Zu weiteren bemerkenswerten Persönlichkeiten auf dem Protestantischen Friedhof gehören der russische Maler Karl Pawlowitsch Brjullow, der amerikanische Bildhauer William Wetmore Story (der für das Grab seiner Frau den „Engel der Trauer“ schuf, die schönste Skulptur des Friedhofs) und der amerikanische Dichter Gregory Corso, einer der einflussreichsten Angehörigen der Beat Generation.
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