Somerset House

Somerset-Haus
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Somerset House ist ein majestätisches Gebäude, das im 18. Jahrhundert am Ufer der Themse errichtet wurde, wo vorher ein Palast stand. Heute ist Somerset House – ursprünglich eine Büroanlage – ein Zentrum der Künste.
Das riesige Bauwerk bietet zahllosen Kunst- und Kultureinrichtungen Platz. Mehrere Räume sind zeitgenössischen Kunstausstellungen vorbehalten, aber der Höhepunkt im Somerset House ist die Courtauld Gallery,
Somerset House, Themse-Fassade
Somerset House
ein Museum mit einer ausgezeichneten Kunstsammlung von berühmten Künstlern wie Botticelli, Van Gogh, Rubens, Brueghel, Cézanne und Goya.

Geschichte

Somerset Place

Als König Heinrich VIII. 1547 starb, war sein Sohn noch zu jung, um zum König gekrönt zu werden, und sein ehrgeiziger Onkel Edward Seymour avancierte zu seinem wichtigsten Berater. Seymour wusste seine neu gewonnenen Befugnisse zu nutzen: Er verlieh sich den Titel Duke of Somerset und plante den Bau eines Palastes, der seiner neuen Stellung würdig sein sollte. Er beschlagnahmte einige Grundstücke an der Themse und ließ die bestehenden Häuser abreißen.

Sein neues, prunkvolles Haus wurde im Renaissancestil gebaut, doch Seymours Freude an seinem neuen Haus sollte nicht lange währen: 1551, noch vor der endgültigen Fertigstellung des Hauses, wurde er des Verrats angeklagt und im Januar 1552 im Tower of London hingerichtet.

Das Gebäude fiel der Krone in die Hände und wurde unter Königin Elisabeth I. als Residenz für gastierende Würdenträger genutzt. Das frühe 17. Jahrhundert war die Blütezeit von Somerset House, als Königin Anna von Dänemark hier wohnte. Sie taufte es in Denmark House um und unterhielt ihre Gäste mit schwelgerischen Festen.
Nordflügel, Somerset House
Nordflügel
Noch bis ins 18. Jahrhundert nutzte die königliche Familie das Haus als Wohnsitz, bis es aufgrund von Nachlässigkeit zu verfallen begann.

Büroanlage

Damals wurde offensichtlich, dass das Gebäude nicht mehr zu retten war. 1775 wurde es abgerissen, um einem neuen Bauwerk zu weichen. Anders als sein Vorgänger allerdings wurde das neue Somerset House als Regierungsgebäude geplant, das nicht etwa einen königlichen Palast, sondern öffentliche Verwaltungsbüros beherbergen sollte.

William Chambers wurde als Architekt ausgewählt. Um nicht von seinen Hauptrivalen übertroffen zu werden – den Gebrüdern Adam, die in der Nähe erst kurz zuvor die herrliche, mittlerweile abgerissene Adelphi Terrace gebaut hatten –, entwarf Chambers das noch heute bestehende Gebäude: Einen prächtigen Bau mit monumentalen Flügeln um einen großflächigen Innenhof. Der Nordflügel an der Strand (einer Straße in London) wurde zuerst gebaut und 1780 fertiggestellt.
Bogen des Somerset-Hauses
Bogen auf dem Victoria
Embankment
Der Südflügel wurde 1801 fertiggestellt, ein Jahr nach Chambers' Tod. Die übrigen Flügel wurden erst deutlich später angefügt: Der Ostflügel war 1834 fertig, und erst 1856 war die Anlage mit Anbau des Westflügels vollständig.

Zentrum der Künste

Die ersten Anlieger im Somerset House waren die Royal Academy of Arts, die Royal Society und die Society of Antiquaries. Zunehmend beherbergte Somerset House auch eine Reihe an Regierungseinrichtungen wie etwa das Finanzamt und die Marineverwaltung. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts galt das Gebäude als ungeeignet für moderne Büros, und der Reihe nach verließen die Regierungseinrichtungen den Bau.

1990 verlegte das Courtauld Institute seine Kunstsammlung in den leer stehenden Nordflügel des Somerset House, und noch weitere Kunstgalerien und andere Kultureinrichtungen ließen sich hier nieder. Dies führte zu einer umfassenden Renovierung des Gebäudes und einem Umbau des als Parkplatz genutzten Innenhofs zu einem öffentlichen Platz. Auch die Terrasse an der Südseite des Bauwerks mit Ausblick auf die Themse wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Architektur und Skulpturen

Skulptur von Wassermänner am Somerset House
Wassermänner
Das wuchtige Somerset House ist in neoklassischem Stil gehalten. Die Nordfassade in Richtung der Strand ist die kleinste und im Stile eines riesigen Triumphbogens gehalten. Auf der anderen Seite liegt die monumentale Fassade am Flussufer mit einer immensen Länge von 244 Metern. Sie ruht auf großen Bögen, die sich einst aus dem Fluss erhoben, doch der Bau des Victoria Embankment zwischen 1864 und 1870 schnitt Somerset House von der Themse ab. Davor war es dank der Bögen möglich, mit Booten direkt unter dem Gebäude anzulegen.

Der Innenhof ist an drei Seiten von Gebäudeflügeln mit korinthischen Portiken umgeben. Ihre riesigen Säulen stützen reliefverzierte Giebeln. Der überkuppelte Südflügel mit der Seamen's Hall ist der eindrucksvollste, während die anderen beiden Flügel von je einer kleinen Turmuhr gekrönt sind. Der Innenhof selbst ist gewaltig und misst 106 x 96 Meter. Die Architekten Inskip + Jenkins modernisierten den Innenhof und installierten die 55 Springbrunnendüsen im Pflaster.

Denkmal Georg III., Somerset House
Denkmal Georg III.
In der Mitte des Innenhofs steht ein großes Denkmal zu Ehren Georgs III., des Königs, der den Wiederaufbau von Somerset House angeleitet hatte. Das Denkmal wurde 1789-1790 von John Bacon dem Älteren geschaffen und ist ein Standbild des Königs in römischem Gewand, der sich auf einem großen Sockel an ein Steuerruder lehnt. Ein Löwe liegt zu Füßen des Königs. Vor dem Podest steht eine weitere Bronzestatue des „Old Father Thames“ („alter Vater Themse“), einer allegorischen Darstellung der Themse.

An den Fassaden von Somerset House finden sich zahlreiche weitere nautische Skulpturen und Reliefs, darunter Statuen mythischer Meeresgeschöpfe, Maskaronen von Meeresgöttern und andere Verzierungen mit Bezug zum Meer. Die meisten wurden vom florentinischen Maler Giovanni Battista Cipriani entworfen und von verschiedenen Bildhauern umgesetzt.

Courtauld Gallery

Die Hauptattraktion im Somerset House ist die Courtauld Gallery. Dieses Museum umfasst eine ausgezeichnete Kunstauswahl von der Renaissance bis hin zu den Spätimpressionisten. Allein ein Blick ins majestätische Innere des Somerset House, das der Pracht seines äußeren Anblicks in nichts nachsteht, ist einen Besuch des Museums wert.

Eine Bar in den Folies-Bergère, Courtauld Gallery
Eine Bar in den
Folies-Bergère
Die Sammlung wurde vom englischen Industriellen und Kunstliebhaber Samuel Courtauld gegründet. 1931 stellte er die Mittel zur Schaffung des Courtauld Institute zur Verfügung, eines Zentrums für Kunstlehre. Bei seinem Tode hinterließ er seine Sammlung dem Institut.

Die Sammlung des Museums umfasst die Zeitspanne vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Besonders renommiert ist es für seine impressionistischen und spätimpressionistischen Gemälde. Zu den Höhepunkten gehören „Eine Bar in den Folies-Bergère“ von Manet, Van Goghs „Selbstbildnis mit verbundenem Ohr“, Rubens' „Kreuzabnahme“ und Lucas Cranach des Älteren „Adam und Eva“. Das Museum besitzt zudem eine Sammlung dekorativer Kunst, darunter erlesene Majolika und Skulpturen von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.
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