Old Royal Naval College

Königliche Marineschule
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Das Old Royal Naval College wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts als Krankenhaus für Matrosen der Royal Navy errichtet. Die Kapelle und der Speisesaal des Krankenhauses erstrahlen in der Pracht einer längst vergangenen Zeit.

Greenwich Palace

Old Royal Naval College, Greenwich, London
Old Royal Naval College
König Karl II. verbrachte über acht Jahre im Exil in Frankreich. Nach der Wiederherstellung der Monarchie 1660 kehrte er nach England zurück. Er brachte den ehrgeizigen Plan mit, den verfallenen Placentia-Palast in Greenwich durch ein neues Schloss zu ersetzen, das so großartig sein sollte, wie das Schloss, das er in Versailles gesehen hatte. Das Grundstück an der Themse schien ideal. 1664 begann der Bau nach einem Entwurf des Architekten John Webb, doch nachdem die ersten drei geplanten Gebäude ein Vermögen gekostet hatten, wurde dem König bewusst, dass er sich ein solches Schloss nicht leisten konnte, und die Pläne wurden verworfen.

Greenwich Hospital

Gemälde des Royal Naval Hospital in Greenwich
Gemälde des
Greenwich Hospital

Queen Anne Court, Old Royal Naval Hospital, Greenwich
Queen Anne Court

Haupthof Old Royal Naval Hospital in Greenwich
Haupthof
30 Jahre später beschloss Königin Maria II. (die bevorzugt in Hampton Court residierte), das bestehende Bauwerk als königliches Krankenhaus für Seeleute zu nutzen, ähnlich dem 1691 gegründeten Soldatenkrankenhaus in Chelsea. 1695 beauftragte die Königin die Architekten des Krankenhauses – den angesehenen Christopher Wren und seinen Assistenten Nicholas Hawksmoor – mit dem Entwurf einer ähnlichen, wenn auch prächtigeren Anlage in Greenwich.

Wrens erster Entwurf wurde von der Königin abgelehnt, da er die Aussicht auf den Fluss vom Queen's House aus verbaut hätte. Erst sein überarbeiteter Plan führte zur heutigen Anlage. Sie besteht aus vier Gebäuden, die ein Rechteck bilden, wobei eine Achse auf das Queen's House deutet. Wren spiegelte Webbs Gebäude am Fluss und erschuf dahinter zwei große Kuppelbauten, die ein Spiegelbild des jeweils anderen abgeben. Mehrere Architekten vollendeten das Krankenhaus in einzelnen Bauphasen und hielten sich dabei an Wrens Pläne. Zuletzt wurde 1751 die Kapelle fertiggestellt.

Nach Schließung des Krankenhauses im Jahr 1869 wurde es zum Royal Naval College umgewandelt, einem Ausbildungszentrum für Marinepersonal. Mittlerweile werden die Gebäude von der Universität von Greenwich und dem Trinity College of Music genutzt, doch das Gelände heißt bis heute Old Royal Naval College.

Painted Hall und Kapelle

Mit Ausnahme der Painted Hall und der Chapel of St. Peter and St. Paul sind die Gebäude des Old Royal Naval College nicht der Öffentlichkeit zugänglich. Beide zugänglichen Bereiche aber sind Pflichtprogramm bei einem Besuch in Greenwich. Die Kapelle und der Saal liegen einander gegenüber, direkt unter den beiden Kuppeln.

Painted Hall

Painted Hall, Old Royal Naval College, Greenwich, London
Painted Hall

Gemälde in der oberen Halle der Painted Hall, Old Royal Naval College, Greenwich, London
Georg I. und
seine Familie
Die Painted Hall wurde von Wren als Speisesaal für die Seeleute entworfen und gilt als herrlichster Speisesaal Englands. Der Raum wurde nur selten für seinen eigentlichen Zweck genutzt – das barocke Innere ist so luxuriös, dass es für die Matrosen als zu herrschaftlich galt. Stattdessen wurde der Saal zu einer der ersten Touristenattraktionen Londons.

Warum der Saal „Painted Hall“ (dt.: „Bemalter Saal“) genannt wird, ist schon beim Betreten des Raums ersichtlich: Die Decke wird von einem riesigen Gemälde vereinnahmt, mit einer Breite von 15 Metern und einer Länge von 32 Metern das größte des Landes. Erschaffen wurde es vom englischen Maler James Thornhill, der 19 Jahre an seinem Meisterwerk arbeitete. Es stellt allegorisch den Sieg des Friedens und der Freiheit (symbolisiert durch König Wilhelm und Königin Maria) über das Böse (symbolisiert durch den französischen König Ludwig XIV.) dar.

Ein prächtiges, von Hawksmoor erschaffenes Gewölbe führt in den oberen Saal, an allen Seiten mit Thornhill-Malereien verziert. Hier stellen die Gemälde Mitglieder der Königsfamilie auf triumphale Weise dar, als wären sie mythische Helden. An der Rückwand findet sich die Kuppel der St. Paul's Cathedral im Hintergrund.

Kapelle

Kapelle des Old Royal Naval College in Greenwich
Kapelle
Die Kapelle ist den Heiligen Petrus und Paulus gewidmet. Erbaut wurde sie von Thomas Ripley nach einem Entwurf von Christopher Wren. Pensionierte Seeleute, die im Royal Hospital lebten, mussten täglich der Messe beiwohnen.

1779 fiel die Kapelle einem Brand zum Opfer. Unter Leitung von James Stuart, dem Gutachter des Krankenhauses, wurde sie wiederaufgebaut. Nach einem Besuch in Athen hatte sich Stuart zu einem Bewunderer antiker griechischer Architektur entwickelt – es war also nicht sehr überraschend, dass er die neue Kapelle in griechischem Stil entwarf.

Statue der Hoffnung, Kapelle des Old Royal Naval Hospital, Greenwich
"Hoffnung"
Ein großer Teil des Innenraums im Rokoko-Stil allerdings wird Stuarts Assistenten Robert Myline und William Newton zugeschrieben. Hier findet sich kunstvoll handgefertigter Stuck des Meisterstukateurs John Papworth. Die Gemälde der Apostel und Prediger an den Wänden der oberen Balkone wurden von Biaggio Rebecca nach einem Entwurf Benjamin Wests erstellt, der sie wie Marmorstatuen wirken lassen wollte. Das Altarbild stammt von West persönlich und zeigt den hl. Paulus in einer biblischen Szene. Gegenüber des Altarbildes steht die Orgel der Kapelle, 1789 von Samuel Green gebaut.

In der Vorhalle der Kapelle finden sich mehrere Statuen aus Coade-Stein, einem künstlichen Keramikmaterial, das sich unter Bildhauern im späten 18. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute. Die Statuen stehen allegorisch für den Glauben, die Hoffnung, die Nächstenliebe und die Demut.
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