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Der Memento-Park ist ein Freilandmuseum, das dem Sturz des Kommunismus gewidmet ist. Hier sind die großen Statuen und Denkmäler ausgestellt, die zwischen 1947 und 1989 während des kommunistischen Regimes in Budapest errichtet wurden.

Hintergrund

Memento-Park
Memento-Park-Eingang
Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Ungarn unter sowjetischen Einflussbereich. Das Versprechen, in Mittel- und Osteuropa die Demokratie einzuführen (das Stalin 1945 auf der Konferenz von Jalta abgegeben hatte) wurde nie eingelöst und Ungarn stattdessen in eine totalitäre Diktator unter dem Deckmantel einer „Volksdemokratie“ ungewandelt. Nach der gescheiterten Revolte von 1956 wurde das Regime gelockert, doch die Unabhängigkeit kehrte erst mit dem Sturz des Kommunismus im Jahr 1989 zurück.

Erschaffung eines Statuenparks

Soldat der Befreiungsarmee, Memento-Park
Soldat der
Befreiungsarmee

Karl Marx und Friedrich Engels, Memento-Park
Karl Marx und
Friedrich Engels

Statue von Kapitän Ostanenko, Memento-Park
Kapitän Ostanenko
Über die Jahre hinweg wurde in Budapest eine Vielzahl an Denkmälern zu Ehren des Kommunismus und seiner Führer errichtet. Nach den Ereignissen von 1989 wurden diese Denkmäler zügig entfernt. 1991, kurz nach Abreise der letzten sowjetischen Truppen aus Ungarn, beschloss der Budapester Stadtrat, einige ausgewählte Denkmäler in einen neuen Park zu verlagern, der als Erinnerung an Ungarns kommunistische Vergangenheit dienen und den Sturz des Kommunismus feiern sollte. Ursprünglich wurde der Park als Szoborpark (Statuenpark) bezeichnet, wird heute aber üblicherweise Memento-Park genannt.

Der Memento-Park wurde vom Architekten Ákos Eleőd entworfen und 1993 eröffnet. Im Laufe der Jahre wurde er schrittweise erweitert und umfasst nun 42 Statuen sowie Ausstellung zum Leben in Ungarn während des Kalten Krieges. Der Park ist in zwei Teile untergliedert: Den eigentlichen Statuenpark, genannt „Ein Urteil über die Tyrannei“, und den „Zeugenplatz“, dessen angrenzende Gebäude eine Besucher- und Bildungszentrum umfassen. Der Platz steht für die ost- und mitteleuropäischen Plätze, an denen einst Aufstände gegen das Sowjetregime ausgebrochen waren.

Die Statuen

Die Statuen aus dem Kommunismus sind über den Park verstreut und können aus der Nähe betrachtet werden. Sie sind überraschend groß und beeindrucken oft durch ihre monumentale Erscheinung.

Der Eingang zum Park hat eine Scheinfassade in neoklassischem Stil. Auf der linken und rechten Seite stehen, umrahmt von offenen Bögen, Statuen von Lenin und den Autoren des Kommunistischen Manifests Marx und Engels. Lenins Bronzestatue wurde 1965 erschaffen und stand am Rande des Stadtwäldchens. Die Granitstatue von Marx und Engels in kubistischem Stil stammt aus dem Jahr 1971 und „zierte“ früher den Haupteingang zur Parteizentrale der kommunistischen Partei.

Stalins Podium, Memento-Park
Stalins Podium

Denkmal der Räterepublik, Memento-Park
Denkmal der Räterepublik

Denkmal der Arbeiterbewegung, Memento-Park
Denkmal der Arbeiterbewegung

Béla-Kun-Denkmal, Memento-Park
Béla-Kun-Denkmal
Das bedeutendste Denkmal aus der Ära des Kommunismus in Budapest war eine acht Meter hohe Bronzestatue von Stalin. Die Statue stand auf einem riesigen 9,3 Meter hohen Podium am Felvonulási tér (Paradeplatz) nahe dem Stadtwäldchen. Vom Podium aus, das mit symbolischen Reliefs verziert war, beaufsichtigten kommunistische Parteikader die Militärparaden. Heute wird der Platz vom Denkmal an den Volksaufstand vereinnahmt, das der antisowjetischen Revolte des Jahres 1956 gedenkt. Im Zuge des Aufstandes wurde die Statue gestürzt, sodass lediglich die Stiefel übrig blieben. Ákos Eleőd hat im Statuenpark eine Nachbildung von Stalins Podium und Stiefeln geschaffen.

Ein weiteres interessantes Denkmal ist die Statue des Befreiungsarmeesoldaten. Die sechs Meter hohe Statue stand einst vor der Budapester Befreiungsstatue auf dem Gellértberg und feierte die Befreiung Budapests durch die Rote Armee. Auch sie wurde abgerissen, 1956 allerdings durch eine genaue Nachbildung ersetzt.

Weitere Höhepunkte sind eine Skulptur zweier riesiger Hände, die eine Kugel halten – ein allegorisches Bild für die Arbeiterbewegung – und die „Sowjetisch-ungarische Freundschaft“, symbolisiert durch zwei Menschen, die sich die Hände reichen. Eines der größten Denkmäler des Parks ist das moderne und chaotisch wirkende Béla-Kun-Denkmal aus dem Jahr 1986. Es zeigt den ungarischen Kommunistenführer Béla Kun bei dem (gescheiterten?) Versuch, eine Gruppe aus Soldaten und Arbeitern anzuführen. Die ikonischste Statue allerdings ist wohl das Denkmal der Räterepublik von 1969. Sein Entwurf basiert auf einem berühmten revolutionären Poster eines voranstürmenden Seemanns, der eine Fahne hochhält.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Trabant, Memento-Park
Trabant
Der Memento-Park umfasst auch eine Ausstellung, die Besucher über die Zeit des Kommunismus im 20. Jahrhundert aufklärt. Einen Schwerpunkt bilden die Ereignisse des Jahres 1956, als die Stalinstatue gestürzt wurde, und die Unruhen 1989-1990, als das gesamte kommunistische System zusammenbrach. Auch das „Leben eines Agenten“ wird gezeigt, eine Filmmontage, die vorführt, wie die Geheimpolizei aufs Ausspionieren ihrer eigenen Bürger eingeschworen wurde. Sogar in einem „Trabi“ lässt sich hier probesitzen.

Anreise

Der Memento-Park liegt im XXII. Bezirk, weit außerhalb des Stadtkerns von Budapest. Der einfachste und beste Anreiseweg ist der Memento-Bus, der mindestens einmal pro Tag vom Deák-Platz abfährt. Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite des Memento-Parks.
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