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Der stattliche Burgpalast thront auf dem Várhegy (dem Burgberg) über der Stadt und erhebt sich bis 48 Meter über die Donau. Die Burg blickt auf eine turbulente Geschichte zurück, in der sich die Höhen und Tiefen der ungarischen Vergangenheit widerspiegeln.
Burgpalast, Budapest

Heute ist der Burgpalast Sitz zahlreicher Kultureinrichtungen, darunter auch zwei Museen: die Nationalgalerie und das historische Museum von Budapest.

Geschichte

Burgpalast vom Gellért Hill gesehen, Budapest
Burgpalast

Die erste Burg wurde bereits im 13. Jahrhundert nach dem Einfall der Mongolen in Ungarn erbaut. König Béla IV. errichtete 1243 eine von massiven Mauern gesäumte Befestigung. Heute ist keine Spur dieser Burg mehr auffindbar, und Historiker sind sich nicht einmal über ihren genauen Standort im Klaren.

14. Jahrhundert: frühe Pracht

Das Fundament des heutigen Schlosses, das im Laufe seiner Geschichte nicht weniger als 31-mal belagert werden sollte, wurde im 14. Jahrhundert gelegt. Die romanische Burg König Ludwigs des Großen wurde im Jahre 1356 fertiggestellt. Etwa 40 Jahre später wurde diese Burg unter der Herrschaft Sigismunds von Luxemburg durch einen Palast im gotischen Stil ersetzt. Mit seinem eindrucksvollen Rittersaal war er einer der prachtvollsten Paläste Europas.

15. Jahrhundert: der Höhepunkt des Königreichs

Nationalgalerie, Budapest
Nationalgalerie

Wachturm am runden Bastion des Burgpalast
Torturm

Verziertes Tor, Burgpalast
Verziertes Tor

Kuppel des Budaer Burgpalastes
Die Kuppel
50 Jahre später war dieser Palast dem großen ungarischen König Matthias Corvinus zu schlicht – folglich ordnete er den Bau eines neuen Palastes im Renaissance-Stil an. Auch ein Palastgarten wurde unter der Herrschaft Matthias' errichtet, die einen Höhepunkt der Geschichte Budapests darstellte. Der Wohlstand der Stadt lockte Künstler und Handwerker aus dem gesamten Kontinent nach Budapest.

18. Jahrhundert: der Habsburger Palast

Vom frühen Glanz des Burgpalastes sollte allerdings nichts übrig bleiben. Als Budapest nach der türkischen Herrschaft über die Stadt (1541 bis 1686) zurückerobert wurde, lag die Anlage vollständig in Trümmern.
Ungarns neue Herrscher, die Habsburger, ließen zwischen 1714 und 1723 einen neuen, kleineren Palast errichten. Das Bauwerk wurde von Fortunato de Prati im Barock-Stil entworfen und von Johann Hölbling beaufsichtigt. Kaiserin Maria Theresia ließ den Palast erweitern, doch auch ein Großteil des neuen Palastes wurde zerstört: 1810 brach ein Großbrand aus, und während des ungarischen Aufstandes gegen die Habsburger im Jahre 1849 wurde der Palast (vergeblich) angegriffen.

Anbauten der Doppelmonarchie

Der Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 erforderte einen neuen Palast in Budapest, um die größere Unabhängigkeit Ungarns zu demonstrieren. Der Habsburger Palast wurde wiederaufgebaut und von Miklós Ybl – einem der größten Architekten Ungarns – erweitert. Unterstützt wurde er von Alajos Hauszmann, der sich für das Innere und die eindrucksvolle barocke Kuppel verantwortlich zeigte. Der Wiederaufbau des Schlosses hatte größtenteils symbolischen Wert, da dort seit 1541 kein Monarch mehr residiert hatte.

Zweiter Weltkrieg und erneuter Wiederaufbau

Die Palastanlage war aber weiterhin bewohnt und bis 1944 Sitz des ungarischen Staatsoberhauptes Miklós Horthy. Kurz nach seinem Sturz durch die Deutschen wurde das Schloss in einer ausgedehnten Schlacht zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee abermals zugrunde gerichtet.

Der Wiederaufbau der Burg begann 1950 nach einem Entwurf des Architekten István Janáki, basierend auf den Originalplänen Ybls. Die ursprünglich barocke Kuppel wurde durch eine klassizistische Variante ersetzt. Während des Wiederaufbaus wurden die Palastruinen aus dem 15. Jahrhundert entdeckt und in die neue Anlage integriert.

Der Burgpalast heute

Das Hauptgebäude des Burgpalastes nimmt sich im Vergleich zu seinen Vorgängern eher nüchtern aus. Insbesondere der Innenraum besitzt keinerlei Ornamente, und keines der einst prunkvollen königlichen Gemächer wurde nachgebildet. Trotz mangelnder Originalgetreue ist der Burgpalast dennoch eine imposante Anlage. Besonders beeindruckend ist seine über 300 Meter lange Fassade an der donauzugewandten Seite. Zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten auf dem Palastgelände gehören auch verschiedene Statuen und Brunnen. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Attraktionen im und um den Burgpalast:

Habsburger Treppe

Brunnen der fischenden Kinder, Burgpalast
Brunnen der
fischenden Kinder
Die meisten Besucher betreten den Burgpalast von Norden über den St.-Georgs-Platz, wo die Sikló-Standseilbahn den Burgberg mit der Kettenbrücke und Pest verbindet. Ein verziertes Tor aus dem frühen 20. Jahrhundert trennt den Platz von der früheren königlichen Domäne und dem Palast.

Direkt am Eingang steht eine Bronzestatue eines großen Vogels auf einem hohen Podest. Es handelt sich dabei um das Fabelwesen Turul, den Vogel des Todes, ein Symbol des Königreichs Ungarn.

Nach dem Gang durch das Tor führen die sogenannten Habsburger Treppe hinab auf eine kleine Terrasse, die mit dem herrlichen romantischen Brunnen der fischenden Kinder verziert ist. Der Brunnen wurde 1912 von Károly Senyey geschaffen und stellt Kinder dar, die einen riesigen Fisch fangen.

Statue des Prinzen Eugen von Savoyen

Eugen von Savoyen, Burgpalast
Statue des Prinzen
Eugen von Savoyen

Grabstein, Ungarischen Nationalgalerie, Burgpalast
Grabstein in der
Nationalgalerie

Matthiasbrunnen, Burgpalast
Matthiasbrunnen
Weiter südlich offenbart sich eine weitere, größere Terrasse mit zwei Blumenbeeten und einer eindrucksvollen Reiterstatue des Prinzen Eugen von Savoyen. Von hier aus eröffnet sich eine wundervolle Aussicht über Pest.

Die Statue, von József Róna erstellt und 1900 eingeweiht, ist dem Mann gewidmet, der für den Sieg über die osmanische Armee und die Befreiung Budapests von den Türken verantwortlich war. Das Podest ist reich verziert mit Statuen türkischer Gefangener und Basreliefs, die Szenen aus der entscheidenden Schlacht bei Zenta 1697 darstellen.

Ungarische Nationalgalerie

Die Statue steht vor dem Haupteingang zur ungarischen Nationalgalerie. Das Museum nimmt vier Palastflügel ein (A bis D), in denen eine umfangreiche Sammlung ungarischer Kunstwerke ausgestellt ist, vom Mittelalter bis in die heutige Zeit.

Zu den Höhepunkten gehört eine Sammlung von Altarbildern aus dem 14. und 15. Jahrhundert im ehemaligen Thronsaal. Ebenso besitzt das Museum eine vorzügliche Sammlung romantischer Gemälde, darunter Arbeiten des ungarischen Künstlers Mihály Munkácsy, der für seine großen Leinwandgemälde berühmt ist.

Matthiasbrunnen

Auf der anderen Seite der Anlage, westlich der Hauptkuppel, liegt eine weitere Terrasse mit vier Blumenbeeten und einer zentralen Statue namens Lószelidítő oder Pferdehirt. Sie stellt einen Pferdebändiger dar, der ein störrisches Pferd im Zaum hält.

Die meisten Besucher zeigen wenig Interesse an der Statue, sondern widmen sich lieber dem Brunnen, der einen Flügel des Burgpalastes flankiert. Der Matthiasbrunnen (Mátyás kút) ist wohl der berühmteste Brunnen Budapests. 1904 von Alajos Stróbl entworfen, stellt er eine Szene aus der Legende des Königs Matthias und das schöne Bauernmädchen Ilonka dar.

Löwentor und Innenhof

Löwentor, Budapest
Löwentor

Széchényi-Nationalbibliothek, Budapest
Széchényi-Bibliothek

Budapester historisches Museum
Historisches Museum

Keulenturm, Budapest
Keulenturm
Nur einige Schritte vom Matthiasbrunnen entfernt führt das Löwentor in den Löwenhof (Oroszlános udvarba), den zentralen Innenhof des Burgpalastes. Das riesige Tor ist nach den vier Löwenstatuen benannt, die den Eingang bewachen, 1901 vom ungarischen Bildhauer János Fadrusz erschaffen. Verziert ist das Tor mit Nischen, Girlanden und allegorischen Statuen der geflügelten Victoria. Das ungarische Wappen krönt das Monument.

Das gemusterte Pflaster des Löwenhofs zeigt den Standort des ehemaligen mittelalterlichen Palastes, zu dem auch der Stephansturm (István-torony) gehörte. Die Grundmauern des Turms können im nahe gelegenen historischen Museum besichtigt werden.

Széchényi-Nationalbibliothek

Westlich des Innenhofs, gegenüber der Nationalgalerie, liegt der Eingangsportikus zur Széchényi-Nationalbibliothek. Die Bibliothek liegt im F-Flügel des Palastes, einem Anbau aus dem 19. Jahrhundert, der von Miklós Ybl und Alajos Hauszmann geschaffen wurde. 1802 wurde die Bibliothek von Graf Ferenc Széchényi gegründet, der seine private Bibliothek aus über 15.000 Büchern und Manuskripten zur Verfügung stellte. Heute besitzt die Bibliothek ein Exemplar jedes in Ungarn veröffentlichten Buches.

Budapester historisches Museum

Der südlichste Palastflügel beherbergt das Budapester historische Museum (Budapesti Történeti Múzeum), das die Geschichte Budapests von prähistorischen Zeiten bis in die Jetztzeit abdeckt. Das Museum gewährt einen Blick auf die Überreste und Nachbildungen des mittelalterlichen Palastes, darunter eine gotische Kapelle und der Rittersaal. Auch einige Marmorstatuen, die einst den Palast zierten, können besichtigt werden.

Mittelalterliche Überreste

Am Fuße der Stufen vor dem historischen Museum eröffnet sich der Blick in einen Innenhof der ehemaligen mittelalterlichen Burg. Einige Originalmauern und Fundamente des Befestigungswalls sind noch erhalten, während andere Abschnitte Nachbauten aus dem 20. Jahrhundert sind.

Ein Stück weiter durch das sogenannte “Verschnauftor” (Lihegő-kapu) steht die Südmauer mit dem schlanken Keulenturm (Buzogány torony), ursprünglich im 14. Jahrhundert errichtet. Das Ferdinandstor (Ferdinánd-kapu) nahe dem Turm führt wieder aus der Burg heraus.

In Richtung des Stadtteils Tabán liegt der südlichste Ausläufer des Burgpalastes: Das Südrondell wird von einem herrlichen Torturm bewacht, ein Nachbau aus den Jahr 1950. Zu Fuß lässt sich diese Bastei über die Straße erreichen, die nahe der Talstation der Burgberg-Standseilbahn bergauf führt.
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