Barri Gòtic

Gotische Viertel
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Das Barri Gòtic (gotisches Viertel) ist einer von drei Stadtteilen in der Ciutat Vella, der Altstadt von Barcelona. Aufgrund der zahllosen gotischen Bauwerke, die hier im Mittelalter während der Blütezeit Barcelonas errichtet wurden, gehört es zu den faszinierendsten Gegenden der Stadt.
Brücke in der Carrer del Bisbe, Barri Gòtic, Barcelona
Neugothische Brücke
Das gotische Viertel liegt zwischen der Fontanella-Straße im Norden, der Via Laietana im Osten, der Passeig de Colom im Süden und der Rambla-Prachtstraße im Westen. Seine Grenzen orientieren sich grob an den mittelalterlichen Stadtmauern und umschließen die ehemalige Römerstadt Barcino, deren Mauern noch teilweise erkennbar sind.

Geschichte

Im 13. und 14. Jahrhundert erfuhr die Stadt einen starken Wachstumsschub, als die Grafen von Barcelona ein Reich beherrschten, das nicht nur Katalonien und Aragonien umfasste, sondern auch Überseegebiete wie Mallorca, Sizilien und Neapel. Viele Paläste und Kirchen wurden in einer katalanischen Version gotischen Architekturstils auf antiken römischen Fundamenten errichtet.

Im 15. Jahrhundert wurden die Kronen von Kastilien und Aragonien vereint und das Zentrum der Macht nach Madrid verlegt. Über Jahrhunderte gab es kaum noch Veränderungen, bis Barcelona im 19. Jahrhundert zunehmend mehr Unabhängigkeit zurückgewann.
Kathedrale, Barcelona
Kathedrale
Die Gebäude im alten Stadtkern begannen, das Interesse von Historikern und politischen Entscheidungsträgern auf sich zu ziehen. Ihnen wurde klar, dass die hohe Dichte gotischer Bauwerke einen hohen Wert hatte, insbesondere aufgrund der einzigartigen Architektur. Wenn auch gotischer Architekturstil in ganz Europa populär war, weist die katalanische Version charakteristische Unterschiede auf.

Die Wiederbelebung des Stadtteils begann in den 1880ern mit dem Bau der Frontfassade der Kathedrale nach einem gotischen Entwurf aus dem 15. Jahrhundert. In den folgenden Jahrzehnten wurden zahlreiche weitere mittelalterliche Gebäude restauriert, und Architekten fügten den bestehenden Gebäuden Ornamente oder Anbauten in neugotischem Stil hinzu. Das berühmteste Beispiel ist die Bilderbuchbrücke über die Carrer del Bisbe (Bischofstraße), welche den Palau de la Generalitat mit dem Casa dels Canonges verbindet. Die winzige, überdachte Brücke wurde 1928 vom modernistischen Architekten Joan Rubió erbaut. Etwa zu jener Zeit kam auch der Begriff „gotisches Viertel“ auf.

Sehenswürdigkeiten

Schmale Straße im Gotischen Viertel, Barcelona
Schmale Straße im
Gotischen Viertel
Das gotische Viertel lockt Massen von Touristen an, und tagsüber tümmeln sich die Menschen in der gesamten Gegend. Die Straßen sind sehr schmal und fast autofrei.

Es empfiehlt sich, mindestens einen halben Tag in diesem historischen Stadtteil zu verbringen, um all die kleinen Plätze, wunderschönen Kirchen und gotischen Anwesen erkunden zu können. Viele davon haben herrliche Innenhöfe, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die meisten Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich um die Kathedrale Santa Eulàlia, die bedeutendste Touristenattraktion des gotischen Viertels.

Der Bau der Kathedrale begann 1298, und erst über 600 Jahre später wurde sie fertiggestellt. Sie bietet einen prächtigen Innenraum mit Buntglasfenstern und wunderschön geschnitzten Chorstühlen. Auch ein Besuch des Kreuzgangs lohnt sich, nicht zuletzt dank des authentischen mittelalterlichen Umgangs.

Die Kathedrale ist allerdings bei Weitem nicht die einzige interessante Kirche im gotischen Viertel. Im Westen Richtung Rambla liegt die Santa Maria del Pi,
Innenraum der Santa Maria del Pi, Gotische Viertel, Barcelona
Santa Maria del Pi
eine Kirche aus dem 14. Jahrhundert, die ein typischeres Beispiel für den katalanischen gotischen Stil darstellt. Sie hat ein einziges, sehr breites Hauptschiff ohne Seitenschiffe. Der Höhepunkt ist die prunkvolle zwölfseitige Fensterrosette, eine der größten der Welt.

Eine weitere großartige gotische Kirche ist die Sants Just i Pastor am Sant-Just-Platz. Sie gilt als die letzte der großen gotischen Kirchen in Barcelona. Der Bau begann 1342 und wurde erst 1574 abgeschlossen, als gotischer Stil bereits außer Mode gekommen war.

Eine ungewöhnlichere Kirche im gotischen Viertel ist die barocke Basílica de la Mercè (Basilika der gnädigen Jungfrau), im 18. Jahrhundert nahe dem Ufer errichtet. Auf der anderen Seite des gotischen Viertels steht die Kirche Santa Ana aus dem 12. Jahrhundert, die am besten für ihren gotischen Kreuzgang bekannt ist.
Sant Jaume Kirche, Barri Gòtic, Barcelona
Sant Jaume
Eine weitere Kirche, die Església de Sant Jaume (Kirche des hl. Jakob) wurde ursprünglich im 15. Jahrhundert errichtet, brannte aber im Jahr 1822 nieder. 1880 wurde sie in neugotischem Stil an ihrem aktuellen Standort an der Carrer de Ferran wiederaufgebaut.

Der ursprüngliche Standort der Sant Jaume ist heute ein Platz, der Plaça de Sant Jaume. Unmittelbar an den Platz grenzen zwei der wichtigsten Gebäude Barcelonas, das Casa de la Ciutat (Rathaus) und der Palau de la Generalitat (der katalanische Regierungssitz). Beide wurden um das Jahr 1400 in gotischem Stil errichtet, haben aber heute Frontfassaden in abweichendem Stil. Die Renaissancefassade der Generalitat wurde 1596 von Pere Blau angebaut, während die neoklassische Fassade des Rathauses aus dem Jahr 1847 stammt.

Wo heute der Platz liegt, stand einst das römische Forum, das vor 2000 Jahren das Herzstück der Römerstadt Barcino bildete.
Plaça del Rei, Barri Gòtic, Barcelona
Plaça del Rei
Nicht viele Überreste der römischen Epoche blieben erhalten, aber noch heute sind Teile der alten Stadtmauern erkennbar, und in der Nähe – in einem der mittelalterlichen Gebäude an der Carrer del Paradís Nr. 10 – finden sich noch die Säulen des Augustustempels. Vermutlich wurde dieser im frühen ersten Jahrhundert zu Ehren des römischen Kaisers Augustus errichtet.

Wer weitere römische Ruinen besichtigen möchte, sollte dem Plaça del Rei einen Besuch abstatten, wo sich ausgegrabene Ruinen von Barcino im Keller des Historischen Museums der Stadt bestaunen lassen. Das Museum liegt im Casa Padellàs, einem gotischen Gebäude aus dem 15. Jahrhundert, das ursprünglich an der Carrer dels Mercaders stand, aber 1931 hierher verlegt wurde. Gegenüber liegt der Palau del Lloctinent (Leutnantspalast), ein gotischer Bau mit malerischem Innenhof. Hier grenzt einer der mittelalterlichen Höhepunkte von Barcelona unmittelbar an: der Palau Reial Major, einst Sitz der Grafen von Barcelona. Zwei der Hauptzimmer des Palastes – der Tinell-Saal und die Kapelle der hl. Agatha – gehören zum Historischen Museum der Stadt.

Viele weitere kleinere Museen liegen im gotischen Viertel. Das interessanteste darunter mag das Museo Frederic Marès sein, wo eine Sammlung aus Skulpturen hauptsächlich katalanischer Schule ausgestellt ist.
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